Unternehmensübernahmen gehören zu den wirkungsvollsten Instrumenten, um Wachstum zu beschleunigen, neue Märkte zu erschliessen und das eigene Leistungsangebot auszubauen. Gleichzeitig sind sie mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Neben finanziellen Fragen entscheiden häufig kulturelle Aspekte, die Akzeptanz der Mitarbeitenden und die Reaktion der Kunden darüber, ob eine Akquisition langfristig erfolgreich ist.
BFS Gebäude Service hat in den vergangenen Jahren mit der Übernahme der Alltrust Clean (ATC) und der OHW Objektbetreuungen & Hauswartungen zwei unterschiedliche Nachfolgelösungen umgesetzt. Beide Transaktionen verfolgten eigene strategische Ziele und wurden bewusst unterschiedlich angegangen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse zeigen, welche Chancen sich durch Zukäufe eröffnen und welche Stolpersteine Unternehmen frühzeitig berücksichtigen sollten
BFS übernimmt OHW und sorgt für Durchblick
Wachstum durch gezielte Akquisitionen
Für viele KMU sind Unternehmensübernahmen weit mehr als reine Expansionsprojekte. Oft bieten sie die Möglichkeit, regionale Präsenz aufzubauen, Fachwissen zu gewinnen oder bestehende Strukturen wirtschaftlicher zu gestalten.
Bei BFS stand hinter der Übernahme von OHW eine klare strategische Überlegung. Jérôme Gaberell, VR-Präsident BFS, weiss: «Die Region Zug und die Zentralschweiz wurden als attraktive Zielmärkte identifiziert – wirtschaftlich stark, wachstumsorientiert und mit einer hohen Nachfrage nach professionellen Facility Services. Gleichzeitig sollte der Bereich Hauswartung gezielt gestärkt werden, um diesen Geschäftsbereich künftig noch effizienter und profitabler zu betreiben. Mit OHW gelang beides.»
Jérôme Gaberell ist Verwaltungsratspräsident der BFS Gebäude Service
Neben dem Zugang zu einem neuen Markt gewann BFS zusätzliches Fachwissen, insbesondere in Spezialbereichen. Solche Kompetenzen intern aufzubauen, benötigt Zeit und Ressourcen, aber allem voran Erfahrung. Eine Übernahme ermöglicht es dagegen, bewährtes Know-how direkt ins Unternehmen zu integrieren und den Kunden schneller ein umfassenderes Dienstleistungsangebot anzubieten.
Nach der Übernahme von ATC durch BFS wird die professionelle Bodenpflege und Gebäudereinigung konsequent weitergeführt und ausgebaut
Darüber hinaus eröffnen Akquisitionen die Chance, bestehende Kundenbeziehungen zu vertiefen. Dienstleistungen, die bisher nicht angeboten wurden, können plötzlich aus einer Hand erbracht werden. Dadurch steigt nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern häufig auch die Effizienz in der Betreuung.
Nicht jede Übernahme verlangt dieselbe Strategie
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus den beiden Projekten lautet: Es gibt keine Standardlösung für die Eingliederung eines Unternehmens. «Während OHW vergleichsweise rasch in die bestehenden Strukturen integriert wurde, entschied sich BFS bei ATC bewusst für einen behutsameren Weg. Die Gründe lagen vor allem in der Unternehmensgrösse und der jeweiligen Identität der Organisationen», erläutert Jérôme Gaberell.
OHW war ein kleineres Unternehmen mit einer weniger ausgeprägten Markenwahrnehmung. Deshalb wurden die Mitarbeitenden von Beginn an von BFS übernommen. «Die Kundenverträge blieben zunächst bestehen und werden schrittweise auf BFS übertragen. Durch dieses Vorgehen konnten wir organisatorische Vorteile früh nutzen, ohne die Kundenbeziehungen unnötig zu belasten», erklärt er.
Bei ATC präsentierte sich die Ausgangslage anders. Das Unternehmen verfügte über eine starke Verankerung im Markt, langjährige Kundenbeziehungen und eine Unternehmenskultur, die eng mit dem bisherigen Eigentümer verbunden war. Um Stabilität zu gewährleisten, erfolgte die Übernahme schrittweise. Der bisherige Geschäftsinhaber blieb während mehreren Monaten eingebunden und konzentrierte sich auf Kundenkontakte sowie die Begleitung laufender Geschäfte.
Die Einsatzleiterin Unterhaltsreinigung von ATC heisst Kyrenia Barreiro
Parallel dazu wurden zentrale Funktionen wie Finanzen, Personalwesen, IT und Zeiterfassung auf die Plattform von BFS überführt. Kyrenia Barreiro, Einsatzleiterin Unterhaltsreinigung, stellt fest: «Für viele Mitarbeitende war insbesondere die Einführung digitaler Werkzeuge spürbar. Die operative Identität blieb jedoch zunächst bestehen, um Vertrauen zu schaffen und Unsicherheiten zu vermeiden.»
Menschen stehen im Zentrum jeder Übernahme
So wichtig Zahlen, Verträge und Synergien auch sind – letztlich entscheiden die Menschen über den Erfolg einer Akquisition.
Sebastian Brenn ist der Geschäftsführer der BFS Gebäude Service
Aus Sicht der Geschäftsleitung war die kulturelle Zusammenführung eine der grössten Herausforderungen. Sebastian Brenn, Geschäftsführer BFS, erläutert: «Neue Führungspersonen, veränderte Abläufe oder digitale Systeme lösen verständlicherweise nicht nur Begeisterung aus. Viele Mitarbeitende identifizieren sich stark mit ihrem bisherigen Arbeitgeber und verbinden damit persönliche Erfahrungen, Beziehungen und Gewohnheiten.»
Deshalb setzte BFS von Beginn an auf Dialog statt auf Anweisung. Die Verantwortlichen suchten aktiv das Gespräch mit den Teams, hörten zu und wollten verstehen, welche Bedürfnisse und Erwartungen vorhanden waren. Dieser Ansatz half dabei, Vorbehalte abzubauen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.
Gleichzeitig wurden Verbesserungen dort umgesetzt, wo sie für die Belegschaft einen unmittelbaren Nutzen brachten. Zum Beispiel zeigte die Überprüfung der Lohnstrukturen den Mitarbeitenden, dass ihre Situation ernst genommen wurde.
«Genauso wichtig war die Bereitschaft, bestehende Arbeitsweisen nicht vorschnell zu verändern. Nicht alles, was in einem übernommenen Unternehmen praktiziert wird, muss ersetzt werden. Oft lohnt es sich, bewährte Lösungen zu übernehmen und daraus gemeinsame Standards zu entwickeln», verdeutlicht Sebastian Brenn.
Chancen für Unternehmen, Mitarbeitende und Kunden
Unternehmensnachfolgen bieten nicht nur dem Käufer Vorteile. Auch die übernommenen Betriebe profitieren häufig von neuen Perspektiven. «In den Fällen von OHW und ATC stand die langfristige Fortführung der Geschäftstätigkeit im Vordergrund. Die Nachfolgeregelung war gesichert, Arbeitsplätze konnten erhalten werden und die Unternehmen erhielten Zugang zu zusätzlichen Ressourcen», sagt Jérôme Gaberell.
Mit der Einbindung in eine grössere Organisation entstehen neue Möglichkeiten in den Bereichen Digitalisierung, Personalentwicklung und Einkauf. Moderne Systeme, standardisierte Abläufe und professionelle Unterstützungsfunktionen erleichtern die tägliche Arbeit und schaffen Freiräume für die operative Leistungserbringung.
Auch auf Kundenseite ergeben sich Vorteile. Auftraggeber erhalten Zugang zu einem breiteren Leistungsportfolio und profitieren von zusätzlichem Fachwissen. «Während OHW-Kunden heute auf weitere Dienstleistungen von BFS zurückgreifen können, eröffnet sich den Kunden von ATC beispielsweise der Zugang zu ergänzenden Angeboten im Bereich Hauswartung», sagt Sebastian Brenn.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass BFS nicht nur Wissen in die übernommenen Unternehmen eingebracht hat. Ebenso bewusst wurden erfolgreiche Vorgehensweisen der beiden Gesellschaften analysiert und in die eigene Organisation integriert. Gute Akquisitionen sind deshalb keine Einbahnstrasse, sondern ein gegenseitiger Lernprozess.
Wo die grössten Risiken liegen
Trotz aller Chancen darf die Komplexität von Unternehmensübernahmen nicht unterschätzt werden. «Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist eine sorgfältige Due Diligence. Dabei reicht es nicht aus, ausschliesslich finanzielle Kennzahlen zu prüfen. Ebenso wichtig sind Kundenstrukturen, Deckungsbeiträge, betriebliche Abläufe, Fachwissen und die Qualität der Führung», legt Jérôme Gaberell dar.
Die Unternehmenskultur verdient eine besondere Aufmerksamkeit. Stimmen Werte, Arbeitsweisen und Erwartungen nicht überein, kann dies zu Spannungen führen. Im schlimmsten Fall sinkt die Motivation der Mitarbeitenden, was sich wiederum auf die Servicequalität und die Kundenbindung auswirkt.
Auch Kunden reagieren nicht immer positiv auf Veränderungen. «Gerade in dienstleistungsorientierten Branchen sind persönliche Beziehungen oft ein entscheidender Faktor. Wird eine Übernahme schlecht kommuniziert oder entstehen Unsicherheiten bezüglich der zukünftigen Betreuung, drohen Auftragsverluste. In der vorliegenden Sache waren die Kundenverluste erfreulicherweise deutlich geringer als erwartet. Grundsätzlich sollte der Kundenverlust klar unter 20 Prozent bleiben, damit sich eine Übernahme wirtschaftlich nachhaltig entwickeln kann», erläutert Sebastian Brenn.
Hinzu kommen die Integrationskosten. Diese werden nach dem Erfahrungswert von BFS häufig unterschätzt. Neben dem Kaufpreis fallen Aufwendungen für Systeme, Schulungen, Projektarbeit und zusätzliche personelle Ressourcen an. Die erhofften Synergien stellen sich selten unmittelbar ein. Oft dauert es Monate oder sogar Jahre, bis die angestrebten Effizienzgewinne vollständig realisiert werden können.
Warum BFS auf eine gemeinsame Marke setzt
Während viele Beteiligungsgesellschaften unterschiedliche Firmen dauerhaft unter einem Holdingdach führen, verfolgt BFS bewusst eine One-Brand-Strategie.
Jérôme Gaberell: «Das Ziel besteht darin, mittelfristig alle Aktivitäten unter einer gemeinsamen Identität zusammenzuführen. Dadurch sinkt die organisatorische Komplexität, administrative Doppelspurigkeiten werden reduziert und Skaleneffekte lassen sich besser nutzen. Eine gemeinsame Plattform ermöglicht zudem effizientere Abläufe und eine klarere Positionierung am Markt.»
Gleichzeitig erfolgt dieser Schritt mit Augenmass. Statt eine Marke unmittelbar verschwinden zu lassen, setzt BFS auf einen schrittweisen Übergang. Kunden und Mitarbeitende erhalten genügend Zeit, die neue Organisation kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Dieser Ansatz reduziert das Risiko von Kundenverlusten und erleichtert die kulturelle Annäherung.
Unser Fazit lautet:
Die Erfahrungen aus den Übernahmen von ATC und OHW zeigen, dass erfolgreiche Akquisitionen weit mehr als finanzielle Transaktionen sind. Wer neue Märkte erschliessen, Fachkompetenzen gewinnen und nachhaltiges Wachstum erzielen möchte, findet in Unternehmensübernahmen ein wirkungsvolles Instrument.
Der langfristige Erfolg hängt jedoch nicht allein von Zahlen und Verträgen ab. Entscheidend sind eine klare strategische Ausrichtung, realistische Erwartungen an den Integrationsaufwand sowie ein respektvoller Umgang mit Mitarbeitenden und Kunden. Werden diese Faktoren berücksichtigt, können Unternehmensübernahmen weit mehr sein als ein Wachstumsschritt.